Englisch hat sich weltweit zur wichtigsten Zweit- und Verkehrssprache, zur lingua franca, entwickelt. Deshalb müssen Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen vorbereitet werden, die sich im Hinblick auf Berufsqualifikationen, neue Formen der internationalen Kooperation (Englisch als Ausbildungs-, Verhandlungs- und Konferenzsprache) sowie vermehrte interkulturelle Begegnungen ergeben.
Die Beherrschung der englischen Sprache ist infolgedessen ein wichtiges Instrument erfolgreicher Kommunikation, auf dem nicht zuletzt persönliche Weiterentwicklung und beruflicher Erfolg basieren. Ihr Erlernen ist darüber hinaus ein bedeutsamer Schritt zur Mehrsprachigkeit.
Das wichtigste Ziel des gymnasialen Englischunterrichts ist folglich die Entwicklung einer kommunikativen Kompetenz, die die Schülerinnen und Schüler sprachlich handlungsfähig macht. Dabei wird die bereits in der Grundschule angebahnte Sprachkompetenz aufgenommen und kontinuierlich erweitert. Insbesondere werden die Sprech-, Hör- und Leseverstehenskompetenz sowie die Fähigkeit zur Sprachmittlung in den verschiedenen Ausprägungen nachhaltig gefördert. Lexikalische, grammatische und orthografische Fertigkeiten sind Teilkompetenzen und haben dienende Funktion. Die angemessene Verwendung sprachlicher Mittel und der Gebrauch von korrektem Englisch sowohl im Schriftlichen wie auch im Mündlichen stellen neben der Verständigungs- und Gesprächsfähigkeit ebenfalls wichtige Lernziele dar.
Der Erwerb von soziokulturellen Kenntnissen über das zielsprachliche Land weitet den individuellen Horizont und wirkt persönlichkeitsbildend, indem er andere Perspektiven eröffnet, die es zu reflektieren und gegebenenfalls zu integrieren gilt. Das Repertoire an methodischen Kompetenzen wird kontinuierlich ausgebaut und ermöglicht so das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen über die Schule hinaus. Die Schülerinnen und Schüler üben sich dabei zunehmend im autonomen Lernen, das ihnen den intelligenten Einsatz methodischer Fertigkeiten sowie eine besondere Leistungsbereitschaft abverlangt. Sie sind zu verschiedenen Formen der Zusammenarbeit mit anderen fähig und erfahren dabei die Lerngruppe als Gemeinschaft.
Fächerübergreifendes Arbeiten und – wo möglich – bilingualer Sachfachunterricht einerseits, die Pflege der direkten und medialen Kontakte durch Schüleraustausch und weitere Begegnungsmaßnahmen andererseits, sind ebenfalls wichtige Anliegen eines handlungsorientierten Englischunterrichts.
In der Übergangsphase von der Grundschule ins Gymnasium geht die für die Grundschule kennzeichnende Verstehensdidaktik allmählich in eine ganzheitliche Fertigkeitendidaktik über. Es erfolgt eine Verstärkung produktiver Sprachkompetenzen, sowohl durch gebundenes und kreatives Schreiben als auch in Form mündlicher Präsentationen. Obwohl auch der beginnende gymnasiale Unterricht situations- und erlebnisorientiert ist, kommt nach und nach eine kognitiv-analytische Orientierung hinzu, die dann in der Folge an Bedeutung gewinnt. Mit dem Beginn der zweiten Fremdsprache in Klasse 5 werden in den Klassenstufen 5 bis 10 immer mindestens zwei Fremdsprachen nebeneinander unterrichtet. Dies ermöglicht die sprachenübergreifende produktive Nutzung der in den jeweiligen Fremdsprachen erworbenen Kompetenzen.
Nach der Integrations- und Aufbauphase der ersten beiden gymnasialen Lernjahre gestaltet sich der Englischunterricht zunehmend anwendungsorientiert, indem der eigenständige Gebrauch der Fremdsprache verstärkt eingefordert wird.
Dabei wird auch die bewusste Steuerung des Spracherwerbs immer mehr von lernstrategischen Überlegungen begleitet und das vorhandene Repertoire an Lernstrategien erweitert und gefestigt.
Die Gestaltung des Lernprozesses in den Klassen 7 bis 10 wird überdies bestimmt von dem schnell wachsenden Weltwissen der Schülerinnen und Schüler, insbesondere auch von Kenntnissen und Erfahrungen, die sie beim Lernen anderer Sprachen erworben haben.
Am Ende der Klasse 10 sind nicht nur die grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich des korrekten Sprachgebrauchs erworben, sondern es wird auch das Niveau der Kursstufe dadurch antizipiert, dass vermehrt authentische Texte rezipiert und vornehmlich Formen selbstverantwortlichen und partnerschaftlichen Arbeitens praktiziert werden.
Fächerübergreifendes Lernen stärkt die Motivation und erweitert den sprachlichen Handlungsspielraum in der Schule. Der Englischunterricht auf der Kursstufe ist dann geprägt von der Auseinandersetzung mit authentischen Texten bei der wissensvermittelnden Erschließung landeskundlicher Themen und der Interpretation beispielhafter Werke englischsprachiger Literatur.
Vernetztes Lernen ist dabei unabdingbar, auch unter Verwendung moderner Informationstechnologien, ergänzt durch den gezielten Einsatz geeigneter Methoden.
Die Bildungsstandards Baden-Württembergs stützen sich auf die detaillierten Beschreibungen der einzelnen Kompetenzstufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Von den sechs Niveaustufen erreicht der schulische Englischunterricht bis zur Klasse 10 die Stufen B1 und B2 in Teilen, in der Kursstufe B2 und teilweise C1.