BILDUNGSPLAN ETHIK KURSSTUFE (2-STÜNDIG)

1. ANTHROPOLOGIE

Freiheit und Determination
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Begriffe Handeln und Verhalten an Beispielen unterscheiden;
• die Mehrdimensionalität des Freiheitsbegriffs (Wahl-, Willens-, Handlungsfreiheit) analysieren;
• biotische, psychische und soziale Faktoren, die menschliches Handeln bestimmen, erörtern.
Menschenbilder
Die Schülerinnen und Schüler können
• ein Erklärungsmodell des Menschen aus einzelwissenschaftlicher (biologischer, neurowissenschaftlicher, psychologischer, soziologischer) Perspektive darlegen;
• Grundbegriffe philosophischer Anthropologie analysieren und deren Stellenwert im Rahmen anthropologischer Theorien bestimmen.
Pluralismus
Die Schülerinnen und Schüler können
• Entstehung und Grundzüge des Pluralismus beschreiben und diesen unter ethischen Gesichtspunkten beurteilen;
• Zivilisationskonflikte in Hinblick auf den anderen als Fremden und den interkulturellen Perspektivenwechsel analysieren und beurteilen.

2. MORALPHILOSOPHIE

Glücks- und Strebensethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• Grundzüge der aristotelischen Handlungstheorie und den Begriff der Eudaimonia in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Lebensformen darlegen;
• ethische Tugenden (Mesotes-Lehre) von dianoetischen Tugenden unterscheiden und an praktischen Beispielen anwenden;
• die Tragfähigkeit der aristotelischen Ethik einschätzen.
Folgenethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• den klassischen Utilitarismus (Bentham, Mill) und das utilitaristische Prinzip erläutern;
• Handlungs-, Regel- und Präferenzutilitarismus unterscheiden;
• die utilitaristische Ethik im Hinblick auf die Gerechtigkeitsproblematik beurteilen.
Sollensethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Bedeutung von Freiheit und Autonomie des Willens in Kants Ethik als Bedingung für die Möglichkeit von Moral darlegen;
• den kategorischen Imperativ (im Kontrast zu hypothetischen Imperativen) als Prinzip und Kriterium des Moralischen in seinen verschiedenen Fassungen erklären;
• Kants Ethik im Ansatz beurteilen.
Verantwortungsethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• den Begriff „Verantwortung“ als mehrstelligen Relationsbegriff analysieren;
• individuelle von institutioneller beziehungsweise kollektiver Verantwortung unterscheiden und Adressaten der Verantwortung benennen;
• eine verantwortungsethische Position in Grundzügen darlegen und beurteilen.

3. PROBLEMFELDER DER MORAL

Rechtsethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• Gerechtigkeitsformeln vergleichen und eine Gerechtigkeitstheorie in ihren Grundzügen darlegen;
• Begründungen von Menschenwürde und Menschenrechten (naturrechtliche, vernunftrechtliche) unterscheiden und das Verhältnis von Legitimität und Legalität erörtern;
• die Begriffe „Schuld“ und „Strafe“ im Rahmen von Straftheorien bestimmen und diese beurteilen.
Wissenschafts- und Technikethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• sich mit der Ambivalenz wissenschaftlich-technischer Entwicklungen auseinander setzen;
• unterschiedliche Funktionen von Wissenschaft darlegen und diese dem Prozess des technischen Fortschritts zuordnen.
Medizinethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• exemplarisch Chancen und Risiken gegenwärtiger Humanmedizin analysieren;
• die in diesem Zusammenhang auftretenden Probleme in Ansätzen moralisch beurteilen.

4. RELIGION

Phänomenologie der Religion
Die Schülerinnen und Schüler können
• Erscheinungsweisen des Religiösen und Funktionen von Religion beschreiben;
• zentrale religionswissenschaftliche Unterscheidungen darlegen.
Religion und Vernunft
Die Schülerinnen und Schüler können
• Versuche der rationalen Begründung religiöser Annahmen analysieren und beurteilen;
• Ansätze der Religionskritik erläutern und beurteilen.

5. MORALISCHES ARGUMENTIEREN

Analytische Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• grundlegende moralphilosophische Begriffe definieren und abgrenzen;
• deskriptive, normative und metaethische Fragen unterscheiden;
• Typen alltagsmoralischer Begründung entsprechenden Paradigmen normativer Ethik zuordnen und ethische Theorien (deontologische, teleologische) unterscheiden;
• philosophische Texte und Argumentationen analysieren und ethische Grundprinzipien argumentativ einsetzen;
• Verfahren ethischer Urteilsbildung wie Fallanalyse und Dilemma-Diskussion anwenden.
Hermeneutische und kommunikative Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• eine Dilemma-Diskussion unter Anwendung ethischer Grundprinzipien und -argumente durchführen;
• durch Perspektivenwechsel Phänomene der Interkulturalität und des Pluralismus erfassen;
• differenzierte Techniken argumentierenden Schreibens anwenden.
Kreativ-konstruktive Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• durch Extrapolation Probleme/Konflikte der Zukunft beschreiben;
• in Gedankenexperimenten komplexe Sachverhalte erfassen;
• Techniken des kreativen Umgangs mit insbesondere philosophischen Texten anwenden.


zurück zur Übersicht

letzte Aktualisierung: 5.10.2004 | AGS
Impressum