BILDUNGSPLAN ETHIK KURSSTUFE (4-STÜNDIG)

1. ANTHROPOLOGIE

Freiheit und Determination
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Begriffe Handeln und Verhalten an Beispielen unterscheiden;
• die Mehrdimensionalität des Freiheitsbegriffs (Wahl-, Willens-, Handlungsfreiheit) analysieren;
• biotische, psychische und soziale Faktoren, die menschliches Handeln bestimmen, erörtern.
Menschenbilder
Die Schülerinnen und Schüler können
• Erklärungsmodelle des Menschen aus einzelwissenschaftlicher (biologischer, neurowissenschaftlicher, psychologischer, soziologischer) Perspektive erarbeiten;
• philosophische Begründungen für Subjektivität darstellen;
• Grundbegriffe philosophischer Anthropologie darlegen und deren Stellenwert im Rahmen anthropologischer Theorien bestimmen.
Pluralismus
Die Schülerinnen und Schüler können
• Entstehung und Grundzüge des Pluralismus beschreiben und diesen unter ethischen Gesichtspunkten beurteilen;
• Zivilisationskonflikte in Hinblick auf den Anderen als Fremden und den interkulturellen Perspektivenwechsel analysieren und beurteilen;
• den Pluralismus ermöglichende Prinzipien (Universalisierung, Menschenrechte) darstellen.
Geschichtsdeutung
Die Schülerinnen und Schüler können
• Aspekte der Geschichtlichkeit des Menschen beschreiben und wesentliche historische Determinanten der Ausbildung der modernen Welt erläutern;
• Modelle des Fortschrittsdenkens darlegen und diese in Ansätzen beurteilen;
• die Frage des moralischen Fortschritts der Menschheit und Aufgaben zukunftsgestaltenden Handelns erörtern.

2. MORALPHILOSOPHIE

Glücks- und Strebensethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• Grundzüge der aristotelischen Handlungstheorie und den Begriff der Eudaimonia in Zusammenhang mit der Lehre von den Lebensformen darlegen;
• ethische Tugenden (Mesotes-Lehre) von dianoetischen Tugenden (besondere Rolle der Phronesis) in Bezug auf die Seelenlehre unterscheiden;
• die aristotelische Ethik in Ansätzen beurteilen;
• Grundzüge der stoischen Ethik (Logos, Tugendlehre) erläutern und diese in Ansätzen beurteilen;
• Grundzüge einer zeitgenössischen Strebensbeziehungsweise Güterethik darlegen und beurteilen.
Folgenethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• den klassischen Utilitarismus (Bentham, Mill) darlegen und das utilitaristische Prinzip erläutern;
• Handlungs-, Regel- und Präferenzutilitarismus unterscheiden;
• die utilitaristische Ethik im Hinblick auf die Gerechtigkeitsproblematik beurteilen.
Sollensethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Bedeutung von Freiheit und Autonomie des Willens in Kants Ethik als Bedingung für die Möglichkeit von Moralität darlegen;
• den kategorischen Imperativ (in Kontrast zu hypothetischen Imperativen) als Prinzip und Kriterium des Moralischen in seinen verschiedenen Fassungen erläutern;
• Kants Ethik im Ansatz beurteilen;
• eine Position der Diskursethik oder des Moralischen Kontraktualismus erläutern und in Ansätzen beurteilen.
Verantwortungsethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• den Begriff „Verantwortung“ als mehrstelligen Relationsbegriff analysieren;
• individuelle von institutioneller beziehungsweise kollektiver Verantwortung unterscheiden und Adressaten der Verantwortung benennen;
• eine verantwortungsethische Position darlegen und im Ansatz beurteilen.
Funktion und Kritik der Moral
Die Schülerinnen und Schüler können
• eine funktionalistische Deutung von Moral darstellen und ihre Erklärungskraft beurteilen;
• eine Position der Moralkritik darstellen und ihre Überzeugungskraft beurteilen.

3. PROBLEMFELDER DER MORAL

Rechtsethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• Gerechtigkeitsformeln miteinander vergleichen und eine Gerechtigkeitstheorie in ihren Grundzügen darlegen;
• Begründungen von Menschenwürde und Menschenrechten (naturrechtliche, vernunftrechtliche) unterscheiden und das Verhältnis von Legitimität und Legalität erörtern;
• die Begriffe „Schuld“ und „Strafe“ im Rahmen von Straftheorien bestimmen und diese unter Berücksichtigung der Interessen von Opfer, Täter, Gesellschaft und Staat beurteilen.
Wissenschafts- und Technikethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• sich mit der Ambivalenz wissenschaftlich-technischer Entwicklungen auseinander setzen;
• unterschiedliche Funktionen von Wissenschaft darlegen und diese dem Prozess des technischen Fortschritts zuordnen.
Ökologische Ethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• unterschiedliche moralische Einstellungen gegenüber der Natur (anthropozentrisch, pathozentrisch, biozentrisch, holistisch) unter besonderer Berücksichtigung tierethischer Aspekte darlegen;
• diese Einstellungen in Hinblick auf die ihnen zugrunde liegenden Interessen, ihre ethische Geltung und ihre praktische Umsetzbarkeit beurteilen;
• exemplarisch Chancen und Risiken der Gentechnologie analysieren und beurteilen.
Medizinethik
Die Schülerinnen und Schüler können
• exemplarisch Chancen und Risiken gegenwärtiger Humanmedizin analysieren;
• die in diesem Zusammenhang auftretenden Probleme in Ansätzen moralisch beurteilen.

4. RELIGION

Phänomenologie der Religion
Die Schülerinnen und Schüler können
• Erscheinungsweisen des Religiösen und Funktionen von Religion beschreiben;
• zentrale religionswissenschaftliche Unterscheidungen darlegen und anwenden.
Religion und Vernunft
Die Schülerinnen und Schüler können
• Versuche der rationalen Begründung religiöser Annahmen analysieren und beurteilen;
• Ansätze der Religionskritik erläutern und beurteilen;
• Zusammenhänge zwischen Religion und Moral/Ethik analysieren.
Perspektiven der Religion
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Säkularisierungsthese erläutern und im Hinblick auf Vergangenheit und Gegenwart überprüfen;
• funktionale Deutungen und Begründungen der Religion unterscheiden und beurteilen.

5. MORALISCHES ARGUMENTIEREN

Analytische Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• grundlegende moralphilosophische Begriffe definieren und abgrenzen;
• deskriptive, normative, metaethische Fragen unterscheiden und auf Moral und Ethik bezogene Aussagen unterschiedlichen Begründungsebenen zuordnen;
• Typen alltagsmoralischer Begründung entsprechenden Paradigmen normativer Ethik zuordnen und ethische Theorien (deontologische, teleologische, kontraktualistische) unterscheiden;
• philosophische Texte und Argumentationen analysieren und ethische Grundprinzipien argumentativ einsetzen;
• Verfahren ethischer Urteilsbildung wie Fallanalyse und Dilemma-Diskussion anwenden;
• komplexe Interrelationen (Fortschritt und Moralität, Relativismus und Universalismus) analysieren.
Hermeneutische und kommunikative Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• eine Dilemma-Diskussion unter Anwendung ethischer Grundprinzipien und -argumente durchführen;
• durch Perspektivenwechsel Phänomene der Interkulturalität und des Pluralismus erfassen;
• differenzierte Techniken argumentierenden Schreibens anwenden;
• sicher Formen dialogischer Interaktion praktizieren.
Kreativ-konstruktive Dimension
Die Schülerinnen und Schüler können
• durch Extrapolation Probleme/Konflikte der Zukunft beschreiben;
• in Gedankenexperimenten komplexe Sachverhalte erfassen;
• gedankliche Modelle konstruieren;
• Techniken des kreativen Umgangs mit insbesondere philosophischen Problemen und Texten anwenden.


zurück zur Übersicht

letzte Aktualisierung: 5.10.2004 | AGS
Impressum