Leitgedanken zum Bildungsplan Französisch

Die französische Sprache ist für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland von besonderer Bedeutung, weil sie Sprache des Nachbarlandes Frankreich ist sowie in Belgien, Luxemburg und auch in der Schweiz als Muttersprache gesprochen wird. Darüber hinaus ist das Französische Verkehrs- und Amtssprache in vielen Teilen der Welt und zahlreiche internationale Organisationen kommunizieren traditionell in dieser Sprache.

Die französische Sprache und Kultur ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen Kulturerbes. Durch die Beschäftigung mit Frankreich und anderen französischsprachigen Ländern werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Schülerinnen und Schüler mit Offenheit und Verständnis den Menschen und der Lebenswirklichkeit Frankreichs beziehungsweise anderer frankophoner Länder begegnen und so zu einer offeneren und vorurteilsfreieren Sicht gesellschaftlicher Erscheinungen und politischer Entwicklungen gelangen. Dies ermöglicht ihnen auch, eine aktive, auf Wissen und Empathie beruhende Rolle in der Gestaltung persönlicher, kultureller und beruflicher Beziehungen zu übernehmen.

Es ist seit Jahrzehnten erklärter politischer Wille, auf der Grundlage des Deutsch-Französischen Vertrages von 1963 die besonderen Beziehungen zwischen den beiden Völkern durch persönliche und institutionelle Kontakte zu pflegen und das Erlernen der Sprache des Partners zu fördern. Das Land Baden- Württemberg als unmittelbares Nachbarland Frankreichs übernimmt hierbei eine Schlüsselrolle. Im steten Bemühen um Verständigung und Zusammenarbeit entwickelten sich Frankreich und Deutschland zu den entscheidenden Motoren der europäischen Einigungsbewegung und sind heute mit Abstand auch die wichtigsten Wirtschaftspartner in Europa.

Im Hinblick auf die Entwicklung der individuellen Mehrsprachigkeit kommt dem Erlernen der französischen Sprache eine ganz besondere Bedeutung zu. Französisch eignet sich par excellence als Brückensprache zur Romania, da es unter den Schulsprachen das höchste Transferpotenzial auf weitere romanische Sprachen besitzt.

Der Französischunterricht hat die vorrangige Aufgabe, die interkulturelle Kommunikations- und Handlungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln mit dem Ziel der Erprobung und Bewährung in der direkten Kommunikation. Aus diesem Grunde werden im Französischunterricht sprachliche Fertigkeiten wie das Hörverstehen und das freie, mitteilungsbezogene Sprechen und Schreiben verstärkt ausgebildet. Daneben wird insbesondere das Leseverstehen durch spezifische Lern- und Arbeitstechniken weiterentwickelt, sodass auch über den Zugang zu authentischen Materialien und Texten interkulturelles Lernen früh angebahnt werden kann.

Auf der Sekundarstufe II werden Kommunikationsfähigkeit und Sprachhandeln weiterentwickelt. Interkulturelles Lernen erhält durch die Beschäftigung mit der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Realität Frankreichs und frankophoner Länder eine neue Dimension. Reflexion von Fremd- und Selbstwahrnehmung macht deutsch-französische Gemeinsamkeiten und Unterschiede bewusst und führt zu einem tieferen Verständnis der gesellschaftlichen Verhältnisse der anderen und eigenen Kultur. Die Begegnung mit Werken aus der französischsprachigen Literatur leistet einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung der interkulturellen Kompetenz und dient in besonderem Maße der Entfaltung der Persönlichkeit und der ästhetischen Erziehung.

Die vorliegenden Bildungsstandards wurden im Hinblick auf Französisch als zweite Fremdsprache ab Klasse 5 entwickelt. Sie gelten auch für Französisch als erste Fremdsprache. Die Schülerinnen und Schüler, die Französisch aus der Grundschule fortführen, werden aufgrund der bereits entwickelten Fertigkeiten in den Bereichen Hörverstehen, Leseverstehen und Sprechen im Durchschnitt zu besseren Ergebnissen kommen, den Freiraum im Rahmen des Schulcurriculums und Angebote des bilingualen Sachfachunterrichts intensiver nutzen können. Die in der Grundschule erworbenen Sprachkompetenzen, Lernstrategien und Lerngewohnheiten werden zu Beginn des gymnasialen Unterrichts gefestigt und insbesondere beim eigenverantwortlichen und selbstständigen Üben genutzt.

Bedingt durch die Regelhaftigkeit der französischen Sprache können zu Beginn des gymnasialen Unterrichts zunehmend auch kognitive Erschließungs- und Erarbeitungstechniken erworben werden. Dies gilt insbesondere für die Aussprache, die Bedeutungserschließung und die Grammatik. Diese kognitiven Strategien werden zunächst behutsam entwickelt. Sie tragen im Laufe des Lernprozesses mit zunehmendem Lernalter und wachsendem Erfahrungshorizont zur Ökonomie und Intensivierung des Lernprozesses bei.

Die Gestaltung des Lernprozesses berücksichtigt die Lernvoraussetzungen, die Lerngeschwindigkeit und das Lernpotenzial der jeweiligen Altersgruppe. Durch das Einsetzen der zweiten Fremdsprache schon in Klasse 5 können Neugier, Spontaneität und das Interesse am Sprachhandeln genutzt werden. Auf allen Stufen werden individuelles selbstverantwortliches und partnerschaftliches Lernen sowie die Nutzung moderner Technologien gefördert, um den Lernprozess möglichst effizient zu gestalten. Darüber hinaus stärkt fächerübergreifendes Lernen, zum Beispiel auch in Phasen des bilingualen Sachfachunterrichts, die Motivation und ermöglicht sprachliches Handeln in der Schule. Sprachliches Handeln, auch mit der Möglichkeit der Erprobung in der persönlichen Begegnung in privaten oder schulischen Kontakten (zum Beispiel im Schüleraustausch), ist oberstes Prinzip des Französischunterrichts.

Mit dem Beginn der zweiten Fremdsprache in Klasse 5 werden in den Klassenstufen 5-10 immer mindestens zwei Fremdsprachen nebeneinander unterrichtet. Dies verlangt die sprachenübergreifende Nutzung der in den jeweiligen Fremdsprachen erworbenen Kompetenzen.

Die Bildungsstandards für Französisch sind abgestimmt auf den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen des Europarates. Die Schülerinnen und Schüler erreichen am Ende der Klasse 10 in den kommunikativen Fertigkeiten, in der Beherrschung der sprachlichen Mittel (gemessen am Ausdrucksvermögen und an der Korrektheit) und in der interkulturellen Kompetenz weitgehend das Niveau B1. Die in den Bildungsstandards unter den sprachlichen Mitteln aufgelisteten Strukturen erfassen kumulativ alle bis zum Ende dieser Stufe erarbeiteten Strukturen. Frequente, einfachere Strukturen sollen produktiv, komplexere, erst gegen Ende der Sekundarstufe I erarbeitete Strukturen rezeptiv verfügbar sein. Der korrekte Gebrauch ist Ziel des Spracherwerbs, bei der individuellen Anwendung in der Sprachproduktion ist jedoch von einer größeren Fehlertoleranz auszugehen. Es wird darauf verzichtet, den Umfang der Lexik durch Richtzahlen zu bestimmen, da der erschließbare Verstehenswortschatz weitaus umfangreicher ist als der sprachproduktiv verfügbare Wortschatz. Gerade die Entwicklung der Erschließungs- und Memorierungstechniken ist wesentlicher Bestandteil der fachspezifischen Methodenkompetenz.

Die Schülerinnen und Schüler, die Französisch als dritte Fremdsprache lernen, erreichen das Niveau B1 nur bedingt. Die einzelnen Kompetenzen und Ziele entsprechen zwar in ihren Kernpunkten den Bildungsstandards der ersten und zweiten Fremdsprache, sie sind jedoch entsprechend der zur Verfügung stehenden Wochenstundenzahl in ihren Anforderungen im Vergleich zur ersten und zweiten Fremdsprache graduell reduziert. Es ist davon auszugehen, dass die grundlegenden sprachlichen Mittel durch größere Lernökonomie im Wesentlichen zwar erarbeitet, aber nicht in gleicher Weise aktiv beherrscht werden können wie dies bei Französisch als erster oder zweiter Fremdsprache zu erwarten ist. Analoges gilt für den Grad der Beherrschung der kommunikativen Fertigkeiten.

Die Schülerinnen und Schüler, die Französisch in der Sekundarstufe II wählen, erreichen am Ende der Klasse 12 in den für Französisch aufgelisteten Bildungsstandards im Allgemeinen das Niveau B2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen.


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letzte Aktualisierung: 5.10.2004 | AGS
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