Bildungsplan Gemeinschaftskunde Kursstufe (4-stündig)

1. SOZIALSTRUKTUR UND SOZIALSTAATLICHKEIT IM WANDEL

1.1 Gesellschaftlicher Wandel und gesellschaftspolitische Herausforderungen
Die Schülerinnen und Schüler können
• Daten zur Analyse der Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland auswerten;
• Ansätze zur Beschreibung der Sozialstruktur sowie deren Indikatoren darstellen und beurteilen;
• Ursachen, Entwicklungstendenzen und mögliche Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels erläutern;
• Möglichkeiten der Gesellschaftspolitik erörtern.
1.2 Bevölkerungsentwicklung und Migration
Die Schülerinnen und Schüler können
• ihre Kenntnisse der Gesellschaftsanalyse auf die Beschreibung aktueller Entwicklungen anwenden;
• Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung darstellen und deren Implikationen beurteilen;
• das Phänomen der Migration als besondere gesellschaftspolitische Aufgabe erfassen;
• Maßnahmen der Integrationspolitik erläutern und in der Kontroverse über Zielsetzung und Reichweite von Integrationspolitik Stellung beziehen.
1.3 Die Ausgestaltung des Sozialstaats
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Grundprinzipien und Kernbereiche des Systems der sozialen Sicherung erläutern;
• das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes analysieren und interpretieren;
• Solidarität und Subsidiarität als Grundprinzipien unterschiedlicher sozialpolitischer Ansätze definieren;
• Probleme des modernen Sozialstaats zusammenfassend darstellen;
• verschiedene Reformansätze, die auf die Probleme des Sozialstaats zu antworten versuchen, darstellen und beurteilen;
• die Entwicklung der europäischen Sozialpolitik und ihrer Reichweite darstellen und beurteilen;
• die Forderung nach einer europäischen Sozialunion unter politischen und wirtschaftlichen Aspekten erörtern.

2. WIRTSCHAFTLICHE DYNAMIK UND WIRTSCHAFTSPOLITIK

2.1 Markt und Staat
• Die Schülerinnen und Schüler können die Dynamik der Marktwirtschaft anhand einzelner Aspekte beschreiben;
• ökologische und gesellschaftliche Folgeprobleme erläutern;
• zu Grundpositionen in der Debatte über die Rolle des Staates in der Marktwirtschaft Stellung nehmen.
2.2 Aufgaben der Stabilisierungspolitik
Die Schülerinnen und Schüler können
• Verlauf und aktuellen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung mithilfe ausgewählter Indikatoren darstellen;
• daraus den aktuellen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf ableiten und erklären;
• die Diskussion um die Erweiterung des wirtschaftspolitischen Zielkatalogs (Magisches Viereck) erläutern und dazu Stellung nehmen;
• Aufgabenbereiche der Stabilisierungspolitik (Wachstumspolitik, Konjunkturpolitik, Strukturpolitik) unterscheiden;
• Leistung und Reichweite der Instrumente der Wirtschaftspolitik analysieren und bewerten;
• Zielvorgaben und Zielerfüllung in der Geld- und Fiskalpolitik darstellen.
2.3 Globalisierung und Strukturwandel
Die Schülerinnen und Schüler können
• anhand von Tabellen beziehungsweise Grafiken Entwicklungen der Weltwirtschaft darstellen;
• in einem Überblick Dimensionen und Erscheinungsformen des Globalisierungsprozesses erläutern;
• Erklärungsansätze für Globalisierung vergleichen und beurteilen;
• die Chancen und Risiken einer zunehmenden Verflechtung und Interdependenz der Weltwirtschaft darstellen und erörtern;
• Gestaltungsmöglichkeiten nationaler und internationaler Politik erörtern und dabei die Rolle der Nationalstaaten beurteilen.

3. POLITISCHE INSTITUTIONEN UND PROZESSE

3.1 Politische Teilhabe und Demokratie
Die Schülerinnen und Schüler können
• die institutionalisierte politische Partizipation als wesentliche Grundlage legitimer demokratischer Herrschaft darstellen und im Überblick beschreiben;
• direkte und indirekte Teilhaberechte (Artikel 5, 8, 9, 20, 21, 28 GG) sowie die verschiedenen Ebenen der Teilhabe (Europäischen Union, Bund, Länder, Gemeinden) differenziert darstellen;
• die Bedeutung der Medien für die politische Teilhabe erläutern und die Kritik an den Medien beurteilen;
• die Funktion der Parteien in der repräsentativen Demokratie erläutern;
• den Wandel des Parteiensystems erklären; die Kritik an den Parteien und am Parteienstaat überprüfen;
• Wahlrecht und Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland erklären;
• eine aktuelle Wahl anhand ausgewählter Faktoren analysieren;
• repräsentative und plebiszitäre Demokratiekonzeptionen definieren und vergleichen;
• die Partizipationsmöglichkeiten in der repräsentativen Demokratie bewerten;
• den Zusammenhang zwischen Bürgerbeteiligung, Bürgerengagement sowie Zivilcourage und der Zukunft der Demokratie untersuchen und beurteilen.
3.2 Gewaltenteilung und Kontrolle politischer Herrschaft
Die Schülerinnen und Schüler können
• Gewaltenteilung und Gewaltenverschränkung in der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland anhand des Grundgesetzes erklären (Artikel 20, 43, 63, 67 GG);
• verschiedene Kontrollmöglichkeiten in der parlamentarischen Demokratie benennen;
• die Kontrolle politischer Herrschaft in Verfassungsrecht (Grundgesetz) und Verfassungswirklichkeit (Bundesrepublik Deutschland) vergleichen;
• die Rolle von Regierung, Mehrheits- und Minderheitsfraktionen bei der parlamentarischen Kontrolle beschreiben und anhand geeigneter Kategorien beurteilen;
• Gewaltenteilung und -kontrolle in der Europäischen Union darstellen;
• die Kontrollfunktion der Europäischen Kommission und des Europäischen Gerichtshofes zur Einhaltung von EU-Recht bewerten;
• die Kontrollfunktionen des Europäischen Parlaments und des Deutschen Bundestags vergleichen;
• die Wirksamkeit formeller und informeller Kontrolle auf nationaler und europäischer Ebene bewerten.
3.3 Politischer Entscheidungsprozess
Die Schülerinnen und Schüler können
• das Gesetzgebungsverfahren nach dem Grundgesetz erläutern und mit der Verfassungswirklichkeit an einem aktuellen Beispiel vergleichen;
• Artikel 20 GG und neue Staatszielbestimmungen erläutern und beurteilen;
• staatliche Reformfähigkeit und Problemlösungsverfahren bewerten;
• diese mit der Problemlösungskompetenz der Europäischen Union vergleichen.

4. INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN UND INTERNATIONALE POLITIK

4.1 Struktur der Staatenwelt und Konfliktbewältigung
Die Schülerinnen und Schüler können
• die Struktur der internationalen Staatenwelt mithilfe eines Kategorienmodells beschreiben;
• sicherheitspolitische Herausforderungen exemplarisch anhand einer aktuellen Konfliktsituation analysieren;
• Risiken für die innere und für die äußere Sicherheit abgrenzen von ökologischen und wirtschaftlichen Risiken;
• den Beitrag internationaler Organisationen, insbesondere der NATO und der UNO, zur Friedenssicherung und Konfliktbewältigung bewerten.
4.2 Friedenssicherung durch Demokratisierung und Menschenrechtspolitik
Die Schülerinnen und Schüler können
• den Prozess der Friedenssicherung durch Demokratisierung erläutern und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbreitung der Demokratie erörtern;
• die These einer einheitlichen Weltzivilisation beziehungsweise eines Zusammenpralls der Kulturen erörtern;
• Legitimität, Nutzen und Notwendigkeit einer aktiven Menschenrechtspolitik erörtern.

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letzte Aktualisierung: 5.10.2004 | AGS
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