Stimmengewirr, bunte Moderationskarten, volle Pinnwände – und überall konzentrierte und diskutierende Schüler:innen. Schnell wurde am Donnerstagvormittag in der Jahnhalle klar: Hier findet heute kein klassischer (Sport-)Unterricht statt, sondern hier wird Demokratie gefühlt, erfahren, gelebt.
Unsere Schule wurde in diesem Schuljahr als eine von 150 Schulen ausgewählt, um eine Jugendkonferenz, ein Beteiligungsformat des Kultusministeriums, durchzuführen – ein starkes Zeichen dafür, welchen Stellenwert Demokratiebildung in unserem Schulkonzept hat.
Organisiert wurde die Veranstaltung von unserem Demokratieclub, federführend von Maja Schammo und Jana Kühnel aus der 10a. Auch die Moderation lag in Schülerhand: Rouven Fux und David Martini (beide JS2) führten souverän durch das Programm. Teilgenommen haben unsere vier zehnten Klassen, unterstützt von engagierten Oberstufenschüler:innen, die als Tischgastgebende Impulse gaben und halfen, die zahlreichen Ideen zu strukturieren.
Herzstück der Konferenz war ein World Café mit zehn Thementischen. In einer ersten Speed-Runde sammelten die Schüler:innen im Drei-Minuten-Takt ihre spontanen Gedanken zu verschiedenen Themen. Anschließend folgten zwei Deep-Runden, in denen sie sich ihre Lieblingsthemen aussuchten und intensiver daran arbeiteten. Dabei hatten sie stets drei Ebenen im Blick: Was kann unsere Schule verändern? Was braucht unsere Stadt Pforzheim? Und welche Entscheidungen müssen auf Landes- oder Bundesebene getroffen werden?
Die Ergebnisse waren konkret und durchdacht: Beim Thema Klima und Nachhaltigkeit forderten die Jugendlichen unter anderem günstigere ÖPNV-Tickets für junge Menschen sowie mehr begrünte Flächen im Stadtgebiet. Im Bereich Bildung sprachen sie sich für eine stärkere Verankerung politischer Bildung im Unterricht aus, für mehr und frühere Wahlmöglichkeiten der Fächer sowie für eine stärkere Ausrichtung auf lebenspraktische Themen – von der souveränen KI-Nutzung bis hin zur vielzitierten Steuererklärung.
Auch die mentale Gesundheit spielte eine große Rolle: Hier wünschten sich die Schüler:innen mehr Schulsozialarbeit, niedrigschwellige Beratungsangebote und Fortbildungen für Lehrkräfte, damit diese sensibler auf Belastungen und Probleme von Jugendlichen reagieren können. Beim Thema Sicherheit ging es den Jugendlichen vor allem um mehr Aufklärung über eigene Rechte, darüber, wie man bei Straftaten reagieren kann, sowie um ein konsequenteres Vorgehen der Polizei gegen Waffen und Drogen im öffentlichen Raum.
Beim abschließenden Ergebnispitch präsentierten die Gruppen ihre wichtigsten Forderungen – und trafen auf offene Ohren. Unter den prominenten Gästen waren unter anderem die frisch gewählten Landtagsabgeordneten Annkathrin Wulff und Andreas Renner, der Pforzheimer Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn, die Jugendgemeinderäte Felix Ewers und Leon Mayer sowie Miriam Haidle von der Bürgerbewegung #zusammenhaltenPforzheim. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Die Perspektiven der Jugendlichen stoßen auf echtes Interesse und werden gehört.
Die Ergebnisse der Konferenz werden nun an die Landesregierung übermittelt. Außerdem werden Vertreter:innen unserer Schule im Sommer an der Landesjugendkonferenz teilnehmen und dort mit Landesminister:innen ins Gespräch kommen. Und einige Klassen haben sich bereits vorgenommen, im kommenden Schuljahr nachzufragen, was aus ihren Vorschlägen geworden ist. Denn Demokratie endet nicht mit einer guten Idee – sie beginnt erst dort.
Philipp Müller, 12. März 2026




























