Am 8. Mai 2026 – dem 81. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa – wurde der Große Sitzungssaal des Pforzheimer Rathauses zum Schauplatz europäischer Politik im Kleinen. Im Rahmen eines Planspiels zum European Green Deal setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit europäischer Klimagesetzgebung auseinander und schlüpften dabei selbst in die Rollen von Abgeordneten und politischen Akteuren.
Schon der Veranstaltungsort sorgte für eine besondere Atmosphäre. Der modern gestaltete Sitzungssaal bot ein authentisches politisches Ambiente und stellte eine willkommene Abwechslung zum gewohnten Unterricht im Klassenzimmer dar. Durchgeführt und moderiert wurde das Planspiel von zwei Mitarbeiterinnen der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die die Teilnehmenden Schritt für Schritt an die komplexen Abläufe europäischer Politik heranführten.
Zu Beginn sammelten die Schülerinnen und Schüler erste Assoziationen zur Europäischen Union. Anschließend wurde das Vorwissen zum Klimawandel in Form eines Quiz abgefragt. Themen wie die Ursachen der Erderwärmung oder die Unterscheidung zwischen „Klima“ und „Wetter“ dienten dazu, den Wissensstand der Klasse sichtbar zu machen und zentrale Grundlagen zu klären. Ein Video über die Folgen des Klimawandels verdeutlichte anschließend eindrücklich die globale Relevanz der Problematik.
Darauf aufbauend folgte ein Brainstorming zur Europäischen Union und ihren Institutionen. Die Moderation vermittelte einen Überblick über den groben europäischen Gesetzgebungsprozess mit besonderem Fokus auf das Europäische Parlament sowie über die zentralen Bestandteile des European Green Deal. Ziel des Planspiels war schließlich die Simulation einer Sitzung des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments.
Nach der inhaltlichen Einführung und einer Pause, in der das Rathaus die Teilnehmenden mit Kaltgetränken versorgte, begann das eigentliche Planspiel. Zunächst wurde der Ablauf erklärt, bevor sich die Schülerinnen und Schüler mit einem Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur Umsetzung des Green Deals vertraut machten. Im Mittelpunkt standen dabei Maßnahmen zur Emissionsminderung im Transport- und Verkehrswesen, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Frage nach Einstufung und Ausbau der Atomkraft.
Im Anschluss arbeiteten sich die Teilnehmenden in ihre jeweiligen Rollenprofile ein und berieten den Gesetzesvorschlag innerhalb ihrer Fraktionen. Dort wurden Änderungsanträge formuliert und Eröffnungsstatements vorbereitet. Mit Beginn der ersten formellen Sitzung präsentierten die Fraktionen ihre Positionen. Es folgten informelle Verhandlungen, in denen weitere Änderungsanträge ausgearbeitet wurden, ehe diese in einer zweiten formellen Sitzung vorgestellt, begründet und kontrovers diskutiert wurden. Gegenpositionen wurden vorgebracht, Anträge abgestimmt und politische Kompromisse ausgelotet.
Über das gesamte Planspiel hinweg prägten intensive und produktive Arbeitsphasen die Atmosphäre. Viele Schülerinnen und Schüler übernahmen ihre Rollen mit bemerkenswerter Authentizität, wodurch teils hitzige Debatten und konfrontative Auseinandersetzungen entstanden, die den politischen Entscheidungsprozess realitätsnah widerspiegelten. In einer weiteren informellen Verhandlungsphase klärten die Fraktionen schließlich ihr Abstimmungsverhalten, bevor in der abschließenden Sitzung sowohl über die Änderungsanträge als auch über den Gesamtantrag abgestimmt und das Ergebnis präsentiert wurde.
In der anschließenden Reflexions- und Feedbackrunde zeigte sich ein insgesamt sehr positives Stimmungsbild. Zwar äußerten manche Teilnehmende – ganz im Sinne ihrer Rollen – Unzufriedenheit mit dem politischen Ergebnis, gleichzeitig wurde jedoch gerade dieser Aspekt als besonders lehrreich empfunden. Positiv hervorgehoben wurde unter anderem die Erfahrung, eine andere Meinung als die eigene vertreten zu müssen sowie sich in unbekannte politische Rollen hineinzuversetzen. Ebenso beeindruckte viele Schülerinnen und Schüler die Erkenntnis, wie schwierig und langwierig es sein kann, in parlamentarischen Prozessen tragfähige Kompromisse zu erreichen.
Den Abschluss bildete ein „Realitätscheck“, bei dem das Planspiel mit der tatsächlichen Ausschuss- und Parlamentsarbeit auf europäischer Ebene verglichen wurde. Dabei wurde deutlich, wie komplex politische Entscheidungsprozesse innerhalb der Europäischen Union tatsächlich sind – und wie wichtig demokratische Aushandlung, Debatte und Kompromissbereitschaft für das Funktionieren europäischer Politik bleiben.
Dominik Schütze, 08. Mai 2026













